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Corona ist ein Spiele-Verderber

Von Christoph Geiler, Kurier

Hannes Empl organisiert Trainingslager und Testmatches für die Topklubs – aktuell eine Herausforderung.


Normalerweise hätte Hannes Empl jetzt gerade alle Hände voll zu tun, den Überblick zu bewahren. Er würde in seinem kleinen Büro in Leogang vor dem Computer sitzen wie auf einem Kommandostand und von dort aus die Laufwege hunderter Fußballer aus der ganzen Welt lenken. Mit den Mitarbeitern seiner Agentur SLFC organisiert Empl seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten Sommer für Sommer Trainingslager für Fußballvereine. Er ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass jedes Jahr an die hundert Teams nach Österreich kommen und somit dem Tourismus 35.000 Nächtigungen bescheren. Dazu veranstaltet seine Firma 200 Testspiele. „Manchmal hatten wir quer über Österreich verteilt 15 Spiele an einem Tag“, erinnert sich Empl. Heute wäre er schon froh, wenn er 15 Partien über den ganzen Sommer zusammenbringen würde. Die Corona-Krise hat auch Empl und seine Agentur voll erwischt. „Es kommt heuer nur ein Viertel der Vereine nach Österreich“, erklärt der Salzburger.

„Das ist eine extreme Herausforderung. Im April habe ich sogar noch gedacht, heuer geht gar nichts.“

Hannes Empl und die Fußballvereine sehen sich in diesem Sommer gleich mit mehreren Problemen konfrontiert: Normalerweise kommen die meisten Klubs aus dem Ausland im Juni und Juli nach Österreich. Weil wegen Corona in vielen europäischen Ligen bis Ende Juli gespielt wird und die neue Saison erst im September startet, verschiebt sich die Hauptzeit der Trainingslager in den August – in diesem Monat sind die Hotels in Österreich derzeit allerdings praktisch ausgebucht.


Zeitfenster

Ein anderes Problem hat Bayer Leverkusen: Der deutsche Bundesligist hat seit Jahren eine Kooperation mit der Region Zell am See-Kaprun und ist Stammgast im Pinzgau. Da Leverkusen aber noch in der Europa League engagiert ist, die im August im Schnell-durchgang durchgezogen wird, bleibt keine Zeit für ein Trainingslager. „Im Moment ist es für keinen einfach“, sagt Empl.

Plötzlich gibt es auf den Fußballplätzen Terminkollisionen, weil natürlich auch die lokalen Vereine nach einer fast halbjährigen Pause wieder am Ball sein wollen. Gerade für die kleinen Dorfklubs waren die Trainingslager oft ein finanzieller Segen, wenn etwa Test-spiele mit prominenter Beteiligung auf ihrem Platz stattfanden und der Klub und die Kantine sich über einen Fanansturm freuen durften.

„Im Moment lassen wir keine Zuschauer zu den Testspielen“, sagt Empl. „Es geht um die Sicherheit, und es geht auch darum, wer am Ende die Verantwortung übernimmt.“ Gerade in dieser turbulenten Zeit machen sich nun die langjährige Erfahrung und der hervorragende Ruf der Agentur bezahlt. So werden jene Nationalteams, die sich hierzulande auf die EM 2020 vorbereitet hätten, nun eben ein Jahr später die Zelte in Österreich aufschlagen. „Ich habe von allen positive Signale bekommen“, erklärt Empl. Neben den Teams aus Deutschland, Österreich (in Seefeld) und Russland zieht es auch die Niederlande und England in die Berge.


Weitblick

Doch Hannes Empl wäre nicht Hannes Empl, wenn er nicht schon weiter in die Zukunft blicken würde. Die Weltmeisterschaft 2022 in Katar stellt auch SLFC vor eine große Herausforderung. Da das Turnier erst im November startet, fällt Österreich als Standort für Vorbereitungscamps definitiv aus. Empl hat daher seine internationalen Beziehungen spielen lassen und die Fühler nach passenden Destinationen im Mittleren Osten ausgestreckt. „Wir sind gerade dabei, zwei Standorte in Abu Dhabi zu sichern.“


Mit freundlicher Genehmigung des Kurier Medienhaus.

Der Originalartikel ist unter https://kurier.at/sport/fussball/der-mann-der-die-fussball-stars-nach-oesterreich-lockt/400984655 abrufbar.

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